Sternenhimmel fotografieren: So gelingen beeindruckende Nachtaufnahmen
Ein klarer Sternenhimmel, die Milchstrasse über den Bergen oder ein einzelner Stern über einer stillen Landschaft: Nachtaufnahmen können eine ganz besondere Stimmung einfangen. Mit etwas Planung und den richtigen Kameraeinstellungen gelingen auch ohne Profi-Ausrüstung eindrucksvolle Bilder. Hier erfährst du, worauf es beim Fotografieren des Sternenhimmels ankommt.
Den richtigen Ort und Zeitpunkt wählen
Je dunkler der Himmel, desto mehr Sterne sind auf dem Foto sichtbar. Suche deshalb einen Standort möglichst weit weg von Städten, Strassenbeleuchtungen und anderen künstlichen Lichtquellen. In der Schweiz bieten sich abgelegene Orte in den Bergen oder auf dem Land an. Beachte dabei lokale Zugangsregeln und fotografiere nur an sicheren, zugänglichen Standorten.
Auch die Mondphase spielt eine wichtige Rolle. Bei Vollmond wird die Landschaft zwar heller, doch das Mondlicht überstrahlt viele Sterne. Für besonders viele sichtbare Sterne und Aufnahmen der Milchstrasse eignen sich mondarme Nächte. Prüfe zudem den Wetterbericht: Dünne Wolken oder Dunst können den Himmel deutlich weniger klar erscheinen lassen, als er mit blossem Auge wirkt.
Die passende Ausrüstung
- Kamera mit manuellen Einstellungen: Eine spiegellose Kamera oder Spiegelreflexkamera bietet viel Kontrolle. Auch einige neuere Smartphones ermöglichen manuelle Nachtaufnahmen.
- Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv: Ein Weitwinkelobjektiv erfasst einen grossen Teil des Himmels. Eine grosse Blendenöffnung, zum Beispiel f/2.8 oder lichtstärker, lässt mehr Licht auf den Sensor.
- Stabiles Stativ: Bei langen Belichtungszeiten ist ein ruhiger Stand entscheidend.
- Fernauslöser oder Selbstauslöser: So verwackelt das Bild beim Auslösen weniger. Bei einer Spiegelreflexkamera kann auch die Spiegelvorauslösung hilfreich sein.
- Ersatzakku und Stirnlampe: Kälte verkürzt die Akkulaufzeit. Eine Stirnlampe mit Rotlicht hilft, ohne die Augen stark an das Dunkle zu gewöhnen.
Gute Kameraeinstellungen für den Einstieg
Stelle die Kamera auf ein Stativ und wähle den manuellen Modus. Als Ausgangspunkt kannst du folgende Werte ausprobieren:
- Blende: möglichst weit öffnen, zum Beispiel f/2.8
- Belichtungszeit: etwa 10 bis 20 Sekunden
- ISO: ungefähr 1600 bis 6400, je nach Kamera und Lichtverhältnissen
- Fokus: manuell auf einen weit entfernten Punkt oder einen hellen Stern einstellen
- Dateiformat: RAW, wenn du die Bilder später bearbeiten möchtest
Diese Werte sind ein Startpunkt, keine feste Regel. Bei einer zu langen Belichtung werden Sterne durch die Erdrotation zu kleinen Strichen. Verkürze die Belichtungszeit, wenn die Sterne nicht mehr punktförmig erscheinen. Ein lichtstärkeres Objektiv oder eine höhere ISO-Einstellung kann helfen, das Bild trotzdem ausreichend hell aufzunehmen.
Auf den Fokus kommt es an
Der Autofokus findet in der Dunkelheit oft keinen zuverlässigen Fokuspunkt. Schalte deshalb auf manuellen Fokus und vergrössere die Live-Ansicht auf dem Display. Richte die Kamera auf einen hellen Stern oder ein weit entferntes Licht und stelle so lange nach, bis der Lichtpunkt möglichst klein und klar erscheint. Die Unendlich-Markierung am Objektiv ist nicht immer exakt – kontrolliere den Fokus deshalb anhand einer Testaufnahme.
Mehr als nur Sterne: Bildgestaltung und Vordergrund
Ein Sternenhimmel wirkt besonders eindrucksvoll, wenn das Bild auch einen spannenden Vordergrund enthält: etwa einen Berg, einen Baum, ein Gebäude oder eine ruhige Landschaft. Achte darauf, dass der Vordergrund nicht zu viel Raum einnimmt und der Himmel trotzdem die Hauptrolle spielt. Ändere den Standort oder die Kameraposition, bis Sterne und Landschaft harmonisch zusammenwirken.
Für die Bildgestaltung lohnt es sich, verschiedene Bildausschnitte zu testen. Ein markanter Horizont, eine Bergsilhouette oder eine Spiegelung im Wasser gibt dem Foto Tiefe. Vermeide helles Licht in der Nähe des Objektivs, denn es kann zu Reflexionen und einem flauen Bild führen.
Typische Fehler vermeiden
- Zu lange Belichtungszeit: Sterne wirken dann nicht mehr punktförmig. Verkürze die Belichtung und teste erneut.
- Unscharfe Sterne: Kontrolliere den manuellen Fokus mit einer vergrösserten Testaufnahme.
- Zu helle Bilder: Reduziere ISO oder Belichtungszeit, besonders wenn der Mond oder Lichtverschmutzung die Szene aufhellt.
- Verwacklungen: Verwende ein Stativ, einen Selbstauslöser und wenn möglich einen Fernauslöser.
- Beschlagene oder verschmutzte Linse: Prüfe das Objektiv regelmässig. In kalten Nächten kann sich Feuchtigkeit darauf niederschlagen.
Die Milchstrasse fotografieren
Für die Milchstrasse gelten grundsätzlich dieselben Einstellungen wie für andere Sternenaufnahmen: ein dunkler Standort, ein klarer Himmel, ein Weitwinkelobjektiv und eine möglichst offene Blende. Plane die Aufnahme im Voraus, denn Sichtbarkeit und Position der Milchstrasse verändern sich im Verlauf des Jahres und der Nacht. Apps für Sternenkarten oder die Fotoplanung können dabei helfen, die passende Richtung und Zeit zu finden.
Mach mehrere Testbilder und passe die Einstellungen schrittweise an. Bei der späteren Bildbearbeitung lassen sich Belichtung, Kontrast und Weissabgleich vorsichtig optimieren. Achte darauf, die Farben nicht zu stark zu verändern – ein natürlicher Nachthimmel wirkt oft überzeugender als eine überbearbeitete Aufnahme.
Geduld zahlt sich aus
Das Fotografieren des Sternenhimmels braucht etwas Übung. Beginne mit einer einzelnen Aufnahme, kontrolliere Fokus und Belichtung und verändere jeweils nur eine Einstellung. Packe warme Kleidung ein, nimm Ersatzakkus mit und plane genügend Zeit ein. So kannst du dich in Ruhe auf Motiv, Licht und Bildaufbau konzentrieren – und mit etwas Glück einen klaren Sternenhimmel in einem eindrucksvollen Foto festhalten.
7 Tipps für die Sternenhimmelfotografie in der Schweiz
- Suche einen dunklen Ort fern von Stadtlichtern.
- Nutze ein stabiles Stativ.
- Wähle ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv.
- Stelle den Fokus manuell auf unendlich.
- Fotografiere im RAW-Format.
- Verwende eine kurze Belichtungszeit gegen Sternspuren.
- Mach mehrere Testaufnahmen und passe die Einstellungen an.
Suche einen dunklen Ort fern von Stadtlichtern.
Suche für deine Aufnahme einen möglichst dunklen Ort fern von Städten, Strassenlaternen und beleuchteten Gebäuden. Künstliches Licht hellt den Himmel auf und lässt weniger Sterne sichtbar werden. Abgelegene Plätze auf dem Land oder in den Bergen bieten oft bessere Bedingungen. Prüfe vorab, ob der Standort sicher und zugänglich ist, und achte darauf, die Natur nicht zu stören.
Nutze ein stabiles Stativ.
Ein stabiles Stativ ist beim Fotografieren des Sternenhimmels unverzichtbar: Weil die Kamera mehrere Sekunden belichtet, kann schon eine kleine Bewegung das Bild verwackeln und die Sterne unscharf erscheinen lassen. Stelle das Stativ auf einen festen Untergrund, sichere die Beine und löse die Kamera möglichst mit einem Fernauslöser oder dem Selbstauslöser aus. So bleibt die Kamera ruhig und die Sterne erscheinen schön klar.
Wähle ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv.
Wähle ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv, damit du möglichst viel vom Sternenhimmel einfangen und auch bei wenig Licht genügend Helligkeit auf den Sensor bringen kannst. Eine grosse Blendenöffnung – zum Beispiel f/2.8 oder grösser – lässt mehr Licht hinein, während der Weitwinkel einen grosszügigen Bildausschnitt ermöglicht. So kannst du Sterne und Milchstrasse zusammen mit einem spannenden Vordergrund fotografieren.
Stelle den Fokus manuell auf unendlich.
Stelle den Fokus bei Nachtaufnahmen manuell auf unendlich, damit die Sterne möglichst scharf abgebildet werden. Verlasse dich dabei nicht blind auf das Unendlich-Symbol am Objektiv, denn die Markierung ist oft nur ein Richtwert. Vergrössere stattdessen die Live-Ansicht, richte die Kamera auf einen hellen Stern und passe den Fokus an, bis der Stern als möglichst kleiner, klarer Lichtpunkt erscheint.
Fotografiere im RAW-Format.
Fotografiere den Sternenhimmel im RAW-Format, damit möglichst viele Bildinformationen erhalten bleiben. So kannst du bei der Nachbearbeitung Belichtung, Weissabgleich und Kontrast gezielt anpassen, ohne dass die Bildqualität so schnell leidet wie bei JPEG-Aufnahmen. Das ist besonders hilfreich, um schwache Sterne und feine Details der Milchstrasse sichtbar zu machen.
Verwende eine kurze Belichtungszeit gegen Sternspuren.
Verwende eine möglichst kurze Belichtungszeit, damit die Sterne als klare Lichtpunkte erscheinen und nicht zu Spuren verwischen. Weil sich die Erde dreht, können Sterne bei langen Belichtungen auf dem Foto kleine Linien bilden. Beginne mit etwa 10 bis 20 Sekunden und prüfe das Resultat. Sind die Sterne nicht mehr punktförmig, verkürze die Belichtungszeit weiter.
Mach mehrere Testaufnahmen und passe die Einstellungen an.
Mach mehrere Testaufnahmen und überprüfe sie direkt auf dem Kameradisplay. Sind die Sterne zu dunkel, erhöhe den ISO-Wert oder verlängere die Belichtungszeit leicht. Wirken sie unscharf oder wie kleine Striche, verkürze die Belichtungszeit und kontrolliere den Fokus. Verändere am besten jeweils nur eine Einstellung aufs Mal – so findest du Schritt für Schritt heraus, was für deine Kamera und die Lichtverhältnisse am besten funktioniert.